© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 45/24 / 01. November 2024

Lilium hat Insolvenzantrag für zwei Tochterunternehmen eingereicht
Deutsche Luftschlösser
Jörg Fischer

Cargolifter, Choren, Solarworld oder Wirecard galten bis zur Pleite als Zukunftsunternehmen. Doch diesmal sind die deutschen Steuerzahler – bis auf eine Kooperation mit der RWTH Aachen – wohl nicht involviert: Die in den Niederlanden registrierte, an der New Yorker Nasdaq gelistete und in Oberbayern angesiedelte Flugtaxi-Firma Lilium N.V mußte am Montag beim Amtsgericht Weilheim Insolvenz in Eigenverwaltung für seine Töchter Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH beantragen. Neun Jahre „Entwicklungsarbeit“ und schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro Investorenkapital waren offensichtlich umsonst.

Der gesunde Menschenverstand wußte es schon vor sechs Jahren, als CSU-Ministerpräsident Markus Söder noch vom Aufbau eines bayernweiten Lufttaxi-Streckennetzes schwärmte: ein rein elektrisch angetriebener, senkrecht startender und landender Siebensitzer ist ein grünes Luftschloß. Dennoch wollte der Science-fiction-Fan Söder Lilium mit 50 Millionen Euro subventionieren – doch die bayrischen Freien Wähler, die Ampel-Partner FDP und Grüne und der Haushaltsausschuß des Bundestages verhinderten die Steuerverschwendung für die windige Zeitgeistfirma, die mit Marketing-Sprüchen wie „Building radically better ways of moving“ oder „A revolution in sustainable, high-speed regional air mobility“ allerdings naive Kapitalgeber überzeugte. Natürlich sind ferngesteuerte Drohnen ohne Personentransport ein Zukunftsmarkt – nicht nur im Zivilbereich. Doch die meisten militärischen Drohnen, die im Ukrainekrieg oder im Nahen Osten eingesetzt werden, sind in der Regel „fossil“ angetrieben, wie Klimapaniker es formulieren würden.

Ein aktueller Tesla Y, der als innerstädtisches Taxi unterwegs ist, wiegt ohne Fahrer und Passagiere zwei Tonnen – wegen seiner schweren Batterie. Ein 50 Jahre altes Reiseflugzeug wie die siebensitzige Piper PA-32 Cherokee wiegt vollgetankt nur 1,6 Tonnen – aber bei 1.300 Kilometer Reichweite. Ein leichter MD-500-Hubschrauber wiegt 1,4 Tonnen, kommt aber wie ein übliches E-Auto nur auf bestenfalls 400 Kilometer Reichweite. Und jeder, der in Physik nicht geschlafen hat, weiß, daß das Starten, Fliegen, Schweben und die Landung immer mehr Energie verbraucht als das Rollen im Auto. Bleibt die Frage: Wie lange bleibt die Volocopter GmbH noch im Flugtaxi-Business?