© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 45/24 / 01. November 2024

„Wieder große Träume haben“
USA: Unterstützt von Elon Musk zieht Ex-Präsident Donald Trump alle Register der Trumpmania
Liz Roth

Wie ein Rockstar wurde Donald Trump von 20.000 Menschen vergangenen Sonntag im Madison Square Garden in seiner Heimatstadt New York City empfangen. Lee Greenwood sang seine Hymne „God Bless the USA“ (Gott segne die USA) live zu Trumps Einzug in die Arena, nachdem dessen Frau Melania ihn der begeisterten Menge angekündigt hatte.

Der legendäre Madison Square Garden in New York City ist bekannt als Austragungsort für Konzerte und Sportveranstaltungen. Nach dem Motto „Träume wieder groß“ läuteten die Republikaner die letzte Woche des Wahlkampfes ein. Nach Schätzungen von Fox News hatten sich knapp 100.000 Anhänger der „Make America Great Again“-Bewegung bereits in den frühen Morgenstunden versammelt, um einen von den 20.000 Plätzen in der Halle zu ergattern. Über Stunden wurden die Teilnehmer von bekannten Trump-Unterstützern wie dem Wrestling-Star Hulk Hogan oder Amerikas TV-Psychologen Dr. Phil oder auch seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft J.D. Vance unterhalten.

Trumps größter Unterstützer, der Unternehmer Elon Musk, ließ es sich nicht nehmen und brachte seine Mutter Maye und einen seiner Söhne mit in die Arena. Musks großes Ziel ist es, als Teil einer möglichen Trump-Regierung die Bürokratie im Land zu vereinfachen und den staatlichen Apparat effizienter zu machen. „Wir werden euch die Behörden vom Hals halten und dafür sorgen, daß sie sich nicht mehr an Eurer Brieftasche bedienen“, verkündete er.  „Euer Geld wird verschwendet und die Abteilung für Regierungseffizienz wird das ändern“, erklärt der weltweit vermögendste Mensch der jubelnden Menge. Sollte Trump in der kommenden Woche gewinnen, will er unter der Leitung von Musk die Bürokratie und die staatlichen Regulationen entschlacken, um die Kosten für den Regierungsapparat in Washington deutlich zu senken. 

Immer wieder erklärt Kamala Harris, daß Trump ein Nazi sei 

Auch Robert F. Kennedy Jr. bestätigte erneut sein Bündnis mit Trump. „Ich habe die Demokratische Partei nicht verlassen, sie hat mich verlassen. Es ist nicht mehr die Partei von Martin Luther King, von Robert Kennedy, von John Kennedy“, sagte er. „Das war die Partei des Friedens. Es war die Partei der Verfassungsrechte, der Bürgerrechte, der Meinungsfreiheit. Es war die Partei, die die Mittelschicht schützen und fördern wollte.“ Er  betonte, daß es der heutigen Demokratischen Partei darum gehe, „den Frauensport zu zerstören, indem man Männern Frauensport erlaubt“.

Kontrovers sollte der Auftritt des Comedians Tony Hinchcliffe werden. Er wurde nach seinem Auftritt von den linken Medien wegen seiner Aussagen über Puerto Rico auseinandergenommen, weil er sich über das Müllproblem auf der Insel, lustig gemacht hatte. Harris’ Vizekandidat Tim Walz kommentierte, während er mit der Kongreßabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez Videospiele für die Kamera spielte, die Aussagen als „rassistisch“. 

Immer wieder wird von der Gegenseite die Idee geschürt, daß Trump ein Nazi und Fan von Adolf Hitler sei. Sowohl Kamala Harris als auch Hillary Clinton betonten dies insbesondere in der vergangenen Woche bei öffentlichen Auftritten. Linke Fernsehsender wie CNN und MSNBC nutzten die Liveübertragung der Veranstaltung in New York, um immer wieder Bilder von einer nationalsozialistischen Veranstaltung einzuspielen, die 1939 am selben Ort stattgefunden hatte. Über die Wahlveranstaltungen von Jimmy Carter oder Bill Clinton im Madison Square Garden wurde nicht berichtet.  Der demokratische Bürgermeister von New York, Eric Adams, weigerte sich, in dieses Narrativ einzusteigen. „Ich weiß, was Hilter getan hat. Ich weiß, wie ein faschistisches Regime aussieht. Wir können bei dem Gerede die Temperatur etwas runterdrehen.“ 

Trumps Rede zum Abschluß der Veranstaltung hatte inhaltlich nicht viel Neues für den Zuschauer. Trump, der schon lange den „tiefen Staat“ aus Bürokraten und anderen anprangert, sagte, die Linken „fügen unserem Land mit ihrer Politik der offenen Grenzen, ihrer rekordverdächtigen Inflation, ihrem ‘grünen neuen Betrug’ (Umweltschutzagenda der USA) und allem, was sie sonst noch tun, so großen Schaden zu. Aber wir werden das nicht länger zulassen. Am 5. November werden wir den größten Sieg in der Geschichte unseres Landes erringen. Wir werden Amerika wieder groß machen. Wir werden Erfolge erzielen, die sich niemand vorstellen kann. Wir werden die stärkste Wirtschaft, die sichersten Grenzen, die sichersten Städte, das mächtigste Militär und die besten Handelsabkommen haben, und wir werden die Grenzen der Wissenschaft, der Medizin, der Wirtschaft, der Technologie und des Weltraums dominieren. Und ich bitte Sie, sich wieder auf die Zukunft unseres Landes zu freuen. Ich bitte Sie, wieder große Träume zu haben. Wir werden wieder große Träume haben.“

Er betonte auch, daß es um Ideologie bei dieser Wahl geht.  „Wir treten nicht einfach gegen Kamala an – ich denke, viele unserer Politiker hier heute Abend wissen das. Sie bedeutet nichts. Sie ist bloß ein Gefäß, das ist alles“, sagte Trump und fügte später hinzu: „Wir treten gegen etwas an, das viel größer ist als Joe oder Kamala und viel mächtiger als sie, nämlich eine massive, bösartige, korrupte, radikale linke Maschinerie, die die heutige Demokratische Partei leitet.“

Für Trump war es, trotz aller Kritik, ein erfolgreiches Wochenende. Sein Interview vergangenen Freitag mit dem Podcaster Joe Rogan, auf das viele Anhänger jahrelang warten mußten, brach alle Rekorde. Alleine auf Youtube wurde das fast dreistündige Gespräch der beiden innerhalb von 48 Stunden mehr als 30 Millionen Mal angeklickt. Laut eigenen Aussagen hatte Rogan Trump bis zu dem Attentatsversuch im Juli nicht interviewen wollen und schlußendlich nachgegeben, nachdem Trump in mehreren bekannten Podcasts mehrstündige Interviews gegeben hatte. Die Idee, diese Langformate zu machen, hatte Trumps jüngster Sohn Barron, der sich nach Aussage des Präsidenten, „gut im Internet auskennt“. 

Plötzlich zeigt Donald Trump sein Herz für Umweltthemen

Trump zeigte sich offen, gestand Rogan, daß er einige Fehler während seiner Amtszeit gemacht habe. „Ich habe die falschen Menschen in der Administration gewählt.“ Ebenfalls zeigte Trump ein Verständnis für Umweltthemen und sprach detailliert mit dem Podcaster über die Probleme in der Landwirtschaft bezüglich der Wasserversorgung und erklärte eine Strategie, wie Waldbrände zukünftig verhindert werden könnten. 

Seine Aussage, daß „Windkraftanlagen Wale töten“ würden, löste eine Welle der Empörung in der amerikanischen Presse und auf den Sozialen Kanälen wie X aus. Der Journalist Michael Shellenberger teilte daraufhin seinen Dokumentarfilm zu dem Thema. „Die Medien behaupten, Trump habe gelogen, als er Joe Rogan erzählte, daß industrielle Windturbinen Wale töten, aber das hat er nicht. Tatsächlich ist es noch schlimmer, als Trump gesagt hat. Wenn die Windindustrie mit ihren Booten, mit ihrem Lärm und ihren Vibrationen weitermacht, wird sie den Nordatlantikwal ausrotten,“ bestätigte er auf X.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen im Präsidentschaftsrennen ist noch immer nicht entschieden. Während RealClearPolitics Trump in allen sieben „Swing“-Staaten einen leichten Vorsprung gibt, sehen CBS News und ABC News Harris im Vorteil.