© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG www.jungefreiheit.de 26/24 / 21. Juni 2024

Geht’s raus, spielt’s Fußball
Netzwerk im DFB: Wie linke Ideologinnen die schönste Nebensache der Welt politisieren / Teil 2 der JUNGE FREIHEIT-Recherche
Hinrich Rohbohm

Ihr großes Ziel, künftig den Präsidenten des Deutschen Fußballbunds (DFB) zu stellen, konnten sie bisher noch nicht erreichen. Der Plan, die Feministin Katja Kraus an der Spitze des größten Sportfachverbandes der Welt zu installieren, war fehlgeschlagen. Doch hinter den Spitzenämtern rund um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und dem Geschäftsführer Sport Andreas Rettig versucht bereits seit einigen Jahren ein feministisches Netzwerk Einfluß auf die Strukturen des deutschen Fußballs zu nehmen.

Das sogenannte „F_in“-Netzwerk ist ein Zusammenschluß von weiblichen Fans, Fanprojekt-Mitarbeiterinnen sowie Journalistinnen und Wissenschaftlerinnen, der sich 2004 im Rahmen einer Tagung der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) gebildet hatte.

Die bereits 1993 gegründete KOS wiederum ist eng vernetzt mit dem Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF). Hinter dem unverfänglich klingenden Namen verbirgt sich eigentlich das ebenfalls 1993 gegründete linksradikale „Bündnis antifaschistischer Fanclubs und Faninitiativen“, das seinen Namen 1998 geändert hatte, um in den etablierten Fußballkreisen besser Fuß fassen zu können.

Mittlerweile ist die Organisation in zahlreiche Gremien des deutschen Fußballs eingebunden, übt damit maßgeblichen Einfluß auf die Entscheidungen des DFB aus. Gegründet wurde sie von dem Funktionär der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Dieter Bott, der zahlreiche linke Fangruppen national und international initiierte und vernetzte. Unter anderem das Netzwerk „Football Against Racism in Europe“, das eng mit der FIFA sowie der UEFA zusammenarbeitet. Einer der ehemaligen BAFF-Bundesvorsitzenden ist Gerd Dembowski, der seit 2014 als „Senior Diversity & Anti-Discrimination Manager“ des Weltfußballverbands Fédération Internationale de Football Association (Fifa) fungiert. Zudem ist er seit 2013 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Antidiskriminierung beim DFB.

Aufgrund dieser linkslastigen Vernetzungen ist es nicht verwunderlich, daß auch das „F_in“-Netzwerk entsprechend eingefärbt ist. Etwa durch seine maßgebliche Initiatorin Antje Hagel, eine Radikalfeministin aus der Offenbacher Fanvereinigung „Erwin e.V.“.

Clubs ausschließen, wenn  sie nicht gendergerecht sind

Bei der Fifa wird Hagel als „Pionierin für gendersensible Fanarbeit“ bejubelt. Seit den achtziger Jahren ist sie in der feministischen Frauenbewegung aktiv. Später trat sie als Autorin in dem von Dembowski herausgegebenen Buch „Tatort Stadion: Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball“ in Erscheinung. Das Buch erschien 2002 im linken Papyrossa-Verlag. 

Der Verlag wurde 1990 von dem Marxisten Jürgen Harrer gegründet, dessen Vater bereits der KPD des frühen Nachkriegsdeutschlands angehört hatte. Er gilt zudem als Nachfolge-Verlag des bis zur Wende maßgeblich durch die DDR finanzierten und DKP-nahen Pahl-Rugenstein-Verlags, für den Harrer zuvor als Lektor tätig gewesen war.

Aus Hagels „F_in“-Netzwerk heraus bildete sich im Mai 2021 die gemeinnützige GmbH „Fußball Kann Mehr“, eine weitere Netzwerkorganisation, die in den Verbänden einen Feldzug für „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Diversität“ führt und der die eingangs erwähnte Fußballmanagerin Katja Kraus angehört. 

Das Netzwerk war im Zuge des Rücktritts des damaligen DFB-Präsidenten Fritz Keller mit neun Forderungen an den DFB in die Offensive gegangen. Unter anderem verlangte es in einem neun Punkte umfassenden Positionspapier eine „geschlechtergerechte, diskriminierungsfreie Sprache“ beim DFB, kurz: Gender-Sprache. In den Verbandsorganisationen sollten „Frauen und Diversität“ gestärkt und eine Frauenquote eingeführt, darüber hinaus jegliche „Form von Sexismus und Diskriminierung, auch außerhalb des Platzes“ sanktioniert werden.

Zudem verlangt die Gruppe die Einrichtung entsprechender „Anlaufstellen für Betroffene.“ Mit anderen Worten könnte man darunter auch neue Meldestellen und Denunziationsportale verstehen, auf denen Personen registriert werden, die sich nach Auffassung potentieller Betroffener sexistisch oder diskriminierend verhalten haben. 

Maßgebliche Initiatorin von „Fußball Kann Mehr“ ist die Erziehungswissenschaftlerin und Vorsitzende des Fanclubs „Unsere Kurve“ Helen Breit. Breit und ihr Fanclub gehören ebenfalls zum „F_in“-Netzwerk, sind zudem auch eng mit dem BAFF vernetzt.

Deren Mitinitiatorin Katja Kraus, empfahl dem DFB 2021 die Auflegung eines Diversity-Programms, das nach ihrem Verständnis auch Teil des Lizenzierungsverfahrens für die Deutsche Fußball Liga (DFL) werden soll. Deutlicher gesagt: Bundesligaklubs, die sich nicht gendergerecht aufstellen, könnten dann kurzerhand vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden.

Kraus lebt mit der ehemaligen Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium, Katrin Suder, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Suder wiederum gilt als Schlüsselfigur in der sogenannten Berater-Affäre des Verteidigungsministeriums während der Amtszeit Ursula von der Leyens, bei der es um die Vergabe finanziell lukrativer Verträge an externe Berater unter Umgehung bestehender Vergabekriterien gegangen war.

Darüber hinaus ist Suder ehrenamtlich für die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ aktiv. Eine Organisation, die sich als sogenannte NGO mit einem Schiff zeitweise an der Aufnahme illegaler Migranten im Mittelmeer beteiligt hatte. Bis 2015 war sie im Verein „Lesbenfrühling e.V.“ aktiv, einer Nachfolgeorganisation der 1972 von kommunistischen Gruppen gegründeten Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW).

Auch im Beirat der „Fußball Kann Mehr“-Initiative ist das Verteidigungsministerium präsent: in Person seines Chefs Boris Pistorius (SPD). Noch mehr sozialdemokratische Verbindungen in Richtung DFB gibt es über die Kommunikationsagentur „brinkertlück“. Die hatte 2021 noch den SPD-Wahlkampf des späteren Bundeskanzlers Olaf Scholz betreut, jetzt ist sie die „Leadagentur“ für die DFB-Produktwelt und zählt darüber hinaus Leon Goretzka zu ihren Kunden. Goretzka galt bei der peinlichen „One-Love“-Kapitänsbinden-Aktion und der noch peinlicheren Mund-Zuhalte-aktion während der Weltmeisterschaft in Katar 2022 als deren stärkster Fürsprecher unter den Spielern. 

Für die derzeit stattfindende Europameisterschaft im eigenen Land wurde Goretzka vom deutschen Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Nationalelf nominiert. Vielleicht auch, um erneute Politisierungsunruhen im Team zu vermeiden.