Furchtbar, als im September ein „Allahu akbar!“ rufender Mann in Ansbach Bahnreisende niederstach. Grausig, als im Oktober ein weiterer in Ludwigshafen unter dem gleichen Bekenntnis zwei Handwerker ermordete und einem die Hand als Trophäe abschnitt. Erschreckend, als in Castrop-Rauxel Anfang Januar zwei ein Giftgasattentat planende Islamisten nur dank Hinweis eines US-Dienstes rechtzeitig gefaßt wurden. Entsetzlich, als Ende Januar ein mutmaßlich islamistischer Messerstecher in einem Zug bei Brokstedt das Leben einer 17jährigen und eines 19jährigen beendete.
Tragödien wie diese sind für Susanne Schröter keineswegs nur „Einzelfälle“. Die Frankfurter Ethnologin zählt zu der überschaubaren Zahl von Experten, die es noch wagen, unermüdlich darauf hinzuweisen, daß sich unter diesen Spitzen ein Eisberg erstreckt – den weiterhin zu ignorieren die Gefahr einer fatalen „Kollision“ für unsere Gesellschaft nur um so größer macht. Gerade erst wies sie, ausdrücklich gerichtet an die Adresse „aller, die stets relativieren und herumlavieren“, per Twitter darauf hin, daß „es 2022 in Deutschland 81 Messerangriffe in Zügen und 254 an Bahnhöfen gab“ – sich deren Anzahl also binnen nur eines Jahres verdoppelt hat. Und im Dezember hatte sie gemeinsam mit anderen Kritikern wie der Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher und dem Migrationsoziologen Ruud Koopmans einen öffentlichen Protest in Form eines Gastbeitrags in der FAZ veröffentlicht. Die Autoren warfen der zur selben Zeit auf Einladung von Innenministerin Faeser stattfindenden Islamkonferenz vor, das Problem des Islamismus zu ignorieren. Stattdessen widmete sich diese vor allem der Bekämpfung von Moslemfeindlichkeit.
„Wenn ein Ethnologe heute zum Islamismus arbeitet, ist es mit der Karriere vorbei“, berichtet Schröter.
Schröter wird nicht müde klarzustellen, daß die populäre Behauptung, Islamismus habe mit dem „wahren Islam“ nichts zu tun, nicht zu halten ist. Vielmehr gründe dieser im politischen Islam, der damit eine „Gefahr für die innere Sicherheit Deutschlands“ und eine der „größten politischen Bedrohungen für Freiheitsrechte und körperliche Unversehrtheit weltweit“ darstelle. Das aber werde immer wieder heruntergespielt, kritisiert Schröter, etwa, wie sie in der Emma schrieb, im Zuge der ausschließlich gegen Rechts gerichteten Extremismus-Offensive der Innenministerin (JF 12/22), die die türkisch-islamistischen Grauen Wölfe, obwohl die „numerisch größte rechtsradikale Organisation in Deutschland“, gänzlich unberücksichtigt lasse.
Wie Emma wird auch Schröter dafür der Vorwurf des „Rassismus“ gemacht. Dank ihrer Stellung als Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Goethe-Universität könne sie zwar solche Angriffe und Kampagnen aushalten, doch immer mehr Doktoranden, und selbst deren Betreuern, seien gewisse Forschungsthemen „inzwischen zu heiß“. Zwar habe sie sich als junge Linke – geboren 1957 in Nienburg an der Weser – während ihres Studiums auch mit konservativen Professoren auseinandergesetzt, dennoch aber fachlich deren Förderung erfahren. Heute dagegen wirke die Frage der richtigen politischen Haltung bedrohlich auf Forschung und Lehre. Denn „wenn ein Ethnologe zu Islamismus arbeitet“, so Schröter in einem Interview, „ist es mit der Karriere vorbei“.
dagegen spiele die richtoge Haltung eine gäbe es Thmen, doeDoktoranden oder sogar ihren Betreuern zu heiß seien. ere Bücher geschrieben und ist durch öffentliche Auftritte bekannt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Islam mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Des Weiteren forscht, lehrt und schreibt sie zu Geschlechtergerechtigkeit und zu politischen und kulturellen Veränderungen v.a. in Asien, die vielfach konfliktiv sind als Folge „fehlgeschlagene(r) Integration unterschiedlicher ethnischer oder religiöser Gruppen“. In ihrem kürzlich erschienenen Buch „Global gescheitert? Der Westen zwischen Anmaßung und Selbsthass“ ordnet Schröter den „halbherzigen Umgang mit dem Islamismus“ ein in eine Reihe von Widersprüchlichkeiten, an denen der Westen zu straucheln drohe. Zum einen die Überheblichkeit, eigene Wertvorstellungen von anderen Ländern einzufordern und andererseits sich als Verursacher allen Übels dieser Welt zu geißeln und sich in der Rolle des rassistischen und schuldbehafteten weißen Menschen einzurichten. Letzteres erleichtere es „gut organisierten identitätspolitischen Minderheiten, sich einen privilegierten Zugang zu materiellen und immateriellen staatlichen Ressourcen zu verschaffen“ und elementare Freiheitsrechte einzuschränken mit einer inzwischen „massiv unter Druck geratenen Meinungs-, Presse-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit“. Schröter appelliert an den Westen, sich der eigenen Wurzeln und der Grundlage seines Gesellschaftssystems zu erinnern, das den Menschen bislang die freie Entfaltung ihrer Potenziale und Neigungen ermöglichte. In Zeiten der Bedrängnis durch „Hypermoralismus, abstruse Sprachregelungen, die Etablierung eines antiweißen Rassismus und die generelle Abwertung der autochthonen Bevölkerung“ sind die deutlichen Ausführungen von Susanne Schröter ein überzeugender Gegenentwurf zu den vorherrschenden Wahrnehmungs- und Denkverboten.