© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 43/18 / 19. Oktober 2018

Frisch gepresst

Arno Breker. Unter den in stattlicher Zahl auf Youtube verfügbaren deutschen Kriegswochenschauen sind nur wenige zensorisch gekürzt. Und einer Ausgabe wurde sogar noch etwas hinzugefügt. In der Wochenschau von Ende Juni 1940, die Adolf Hitlers morgendliches Sightseeing begleitet, zu dem er mit „seinen“ Künstlern, den Architekten Albert Speer und Hermann Giesler sowie dem Bildhauer Arno Breker im besetzten Paris unterwegs war, ist diese Sequenz mit Edith Piafs „La vie en rose“ unterlegt. Deutlicher hätte der kreativ-subversive Urheber dieser Bild-Ton-Collage die „Kollaboration“ nicht inszenieren können. Wie der Berliner Kunsthistoriker Patrick Neuhaus nach aufwendigen Archivstudien jetzt bestätigt, saß mit Breker tatsächlich der von seinem Freund Speer kräftig unterstützte zentrale Akteur deutsch-französischer Kollaboration im „Führer“-Mercedes. Weil die Vichy-Regierung den Bildhauer als „un ami intime du chancelier“ Hitler einstufte, ergriff sie im Mai 1942, anläßlich einer Pariser Werkschau Brekers, die Chance, die kunstpolitische zur staats- und wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit auszuweiten. Allerdings in erster Linie, um sich gegenüber der Besatzungsmacht neue Handlungsspielräume zu erschließen. Eine Strategie, die sich in den von „französischem Selbstbewußtsein strotzenden“ Ansprachen, die Vichy-Offizielle zur Ausstellungseröffnung hielten, unüberhörbar angekündigt habe. (ob)

Patrick Neuhaus: Die Arno-Breker-Ausstellung in der Orangerie Paris 1942. Auswärtige Kulturpolitik, Kunst und Kollaboration im besetzten Frankreich. Neuhaus Verlag, Berlin 2018, gebunden, 160 Seiten, Abbildungen, 28 Euro





Bauchtanz. Antje Sievers, eine für fremde Kulturen sehr emphatische junge Frau, entdeckte Anfang der achtziger Jahre für sich den orientalischen Tanz, den sie bald auch gekonnt öffentlich vorführte. „Für das deutsche Publikum war ich vielleicht ein exotischer Vogel mit einer wenig bürgerlichen Existenz, aber in der Regel galt ich wenigstens als erntzunehmende Künstlerin.“ Doch mit Erstaunen stellte sie fest, daß besonders hierzulande ihre Kunst bei den immer sittenstrengeren Türken und Arabern als bessere Prostitution abqualifiziert wird. In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt sie äußerst kurzweilig diese vom fundamentalistischen Islam diktierte, immer integrationsfeindlichere Entwicklung. (bä)

Antje Sievers:  Tanz im Orient-Express. Eine feministische Islamkritik. Achgut Edition, Berlin 2018, broschiert, 150 Seiten, 17 Euro