© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 31/18 / 27. Juli 2018

Umwelt
Betonflut marsch!
Volker Kempf

Wo drückt den Bayern der Schuh? Für die Initiative „Betonflut eindämmen“ ist das der Flächenfraß. 48.000 unterschrieben ein Volksbegehren, um den Flächenverbrauch von 13 auf fünf Hektar täglich zu begrenzen (JF 11/18). Nötig waren 25.000 Unterschriften. Genützt hat alles nichts. Der Verfassungsgerichtshof vermißte eine Regelung, wie das Flächenbudget auf die Gemeinden aufgeteilt werden soll. Das Volksbegehren wurde nicht zugelassen. Eines hat die Initiative aber erreicht: Das Thema der Zubetonierung der Landschaft gewinnt an Aufmerksamkeit. Die in Bayern kommunalpolitisch verankerte ÖDP will damit im Landtagswahlkampf Stimmung machen. Die Grünen haben im Bayerischen Rundfunk angekündigt, mit allen Unterstützern beraten zu wollen, ob ein neues Volksbegehren mit einem verbesserten Text starten soll: „Die Tür für eine Höchstgrenze ist ja nicht komplett zugeschlagen worden“, erklärte Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann.

Fast alle wollen alles: Mehr Natur und gleichzeitig mehr Zuwanderung und Wohnungen.

Die Bevölkerung des Freistaats hat sich innerhalb von 100 Jahren auf 13 Millionen verdoppelt. Bayern ist beim Flächenverbrauch und dem Bevölkerungsanstieg weiter überdurchschnittlich. Was sind die Ursachen? Fast alle wollen alles: Natur und Zuwanderung und Wohnungen. Die CSU verspricht, die Einwanderung zu begrenzen, macht im Bund aber gemeinsame Sache mit Merkels „Tore auf für alle“. Die Parteien sollten Farbe bekennen, wie sie ihre Prioritäten setzen, dann hat der Bürger bei der Wahl am 14. Oktober etwas auszuwählen. Dabei geht es beim Flächenfraß nicht nur um Naturromantik und Landschaftsschutz, sondern auch um die Landwirtschaft, die Verluste erleidet. Ein Acker, der verschwunden ist, auf dem wächst nichts mehr. Ein Naherholungsgebiet, das bebaut ist, verliert an Erholungswert. Irgendwann holt die Wirklichkeit alle ein.