© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 31/18 / 27. Juli 2018

Eine familiäre Geldmaschine
Freizeitparks: Ein Millionenpublikum sorgt für Milliardenumsätze in der Branche / Deutscher Marktführer Europa-Park ist auf Expansionkurs
Christian Schreiber

Millionen Gäste besuchen jedes Jahr Freizeit- und Themenparks. Weltweit werden zweistellige Milliardenumsätze erzielt. Ursprünglich eine Geschäftsidee aus den USA, ist das Konzept, Ausstellungen Karussells, Achterbahnen, Vorführungen und Schaubuden an einem festen Platz zu konzentrieren seit einem halben Jahrhundert auch in Europa heimisch.

1968 eröffnete die dänische Spielzeugfirma Lego ihren ersten Freizeitpark in der Gemeinde Billund in Südjütland. Fünf Jahre später machte der deutsche Legoland-Ableger in Sierksdorf an der Lübecker Bucht auf. Der erfolgreichste Betreiber ist aber der Europa-Park im südbadischen Rust bei Offenburg. Seit 1975 in Betrieb und ständig erweitert, besuchten seither über 110 Millionen Gäste den Vergnügungspark. Er ist der meistbesuchte im deutschsprachigen Raum und nach dem Disneyland Paris die Nummer zwei in Europa.

„Wir müssen weltweit keinen Vergleich scheuen“

Am 26. Mai gab es einen Großbrand im Europa-Park, bei dem aber keiner der etwa 25.000 Besucher zu Schaden kam. Schon am nächsten Tag öffnete der Park wieder. Zwei Wochen später waren die meisten Schäden beseitigt. Doch auch ohne Feuerteufel ist der Druck auf die Bertreiber hoch: Attraktionen alleine reichen nicht, Besucher werden anspruchsvoller und wollen mehr als Rummel. Auf dem 95 Hektar großen Gelände reisen die Besucher daher im Handumdrehen durch Europa. Zu Fuß geht es unter anderem von Griechenland in die Schweiz, nach Skandinavien und Italien.

„Mein Vater und ich waren die einzigen, die an diesen Park geglaubt haben“, sagt Roland Mack. Der 65jährige Ingenieur ist Mitgründer, Chef und Inhaber des Freizeitparks. Während das Legoland oder das 85 Hektar große „Heide Park Resort“ in der Lüneburger Heide längst Teil der britischen Merlin Entertainments Group sind, ist der Europa-Park weiterhin familiengeführt. Zur neuen Saison wurde der Themenbereich Frankreich neugestaltet. Der Schwerpunkt liegt auf der Sanierung der 45 Meter hohen Dunkelachterbahn Eurosat. Am Eingang soll ein Nachbau des Varietétheaters Moulin Rouge noch mehr  Besucher anziehen. Außerhalb des Parks entsteht derzeit die neue Wasserwelt „Rulantica“. „Wir wollen uns als eigene Reisedestination konsequent ausbauen. Mit künftig zwei Parks, sechs Hotels und dem vielfältig nutzbaren Confertainment Center auf insgesamt 145 Hek­tar Fläche müssen wir weltweit keinen Vergleich scheuen“, erzählte Mack dem Verbandsmagazin Parkerlebnis.

„Wer das Geschäft versteht, kann eine Geldmaschine daraus machen. Besucherzahlen sind deswegen die Währung, die in den Freizeitparks zählt“, analysierte treffend die Süddeutsche Zeitung. 38 Millionen Besucher kamen 2016 in die deutschen Freizeitparks. Jeder Gast lasse nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch viele Euros für Souvenirs oder in der Gastronomie. Viele haben ihr Angebot mit attraktiven Hotels erweitert und damit eine zusätzliche Erlösquelle aufgetan. Ein Beispiel hierfür ist die Nummer zwei in Deutschland: das Phantasialand in Brühl vor den Toren Kölns. 1967 als Märchenwald für Kinder gegründet, bietet es heute ein breites Spektrum an Erlebniswelten: von Fantasy über Science-fiction bis zu Märchen und geographischen Themenbereichen. Mit jährlich zwei Millionen Besuchern liegt die ebenfalls familiengeführte Anlage aber deutlich hinter der badischen Konkurrenz. „Der Europa-Park ist Spiegelbild unserer Branche“, sagt Klaus-Michael Machens, Präsident des Freizeitparkverbandes VDFU. Die Deutschen sowie Touristen aus dem Ausland seien bereit, für Freizeitvergnügen Geld auszugeben. Davon profitiere die Branche mit ihren deutschlandweit 25 großen Parks und mehr als 80 kleineren Einrichtungen.

Investitionen sind nötig, um den Standard zu halten und gegen die Konkurrenz zu bestehen. Zum Saisonstart 2018 eröffnete das Legoland in Günzburg ein 26,6 Millionen Euro teures Pirateninsel-Hotel: 142 Zimmer mit Schlafschiffchen gibt es in der Anlage mit großem Spielplatz in der Mitte. Im dazugehörenden Feriendorf können nun insgesamt 2.644 Gäste übernachten. Im Legoland dreht sich alles um die bunten Bausteine. Es gibt wilde Achterbahnen und ruhige Züge, die durch eine Safarilandschaft kreisen, komplett mit Elefanten, Flamingos, Tigern und Erdmännchen, die immer wieder in ihrem Bau verschwinden – alles aus Legosteinen, versteht sich.

Spielerisch geht es auch im „Playmobil FunPark“ im fränkischen Zirndorf zu. Hier dreht sich alles um die beliebten Polizisten, Bauern, Indianer und Prinzessinnen aus der Playmobil-Familie. „Spielen, Bewegen, Erleben“ lautet das Motto. Das „Heide Park Resort“ bietet über 50 Attraktionen und Shows – und die höchste Holzachterbahn in Europa. Im „Heide Park Abenteuerhotel“ gibt es passend dazu eingerichtete Themen-Zimmer.

Freunde des Films kommen in Deutschland auch auf ihre Kosten. Direkt neben dem größten europäischen Studiokomplex in Babelsberg bei Potsdam liegend, profitiert der cineastische Erlebnispark unmittelbar von den Filmproduktionen. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Movie-Park in Bottrop, der seine Wasser-Attraktion „Mystery River“ neugestaltet hat und König Artus sowie die Ritter der Tafelrunde seinen Besuchern präsentiert. Der Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen bietet ein echtes Safari-Gefühl. Mit dem eigenen Auto oder dem Bus läßt sich das Gelände erkunden. Dabei gibt es über 1.500 freilaufende Wildtiere zu bestaunen – sogar Giraffen oder Nashörner.

Daß Kopien nicht immer gewinnbringend sind, zeigt sich am 19 Quadratkilometer großem beim Disneyland Paris. Der Ableger des amerikanischen Unterhaltungskonzerns feierte gerade sein 25jähriges Bestehen – hat aber die meisten Jahre davon Verlust gemacht. Die beiden Originale in Florida und Kalifornien sind hingegen „Cash Cows“.

Informationen des Verbands Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU):  freizeitparks.de/