© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 31/18 / 27. Juli 2018

Personalnot der Bundeswehr
Truppe ohne nationale Bindungen?
Michael Paulwitz

Deutschlands Armee ist ein Trümmerhaufen aus politischen Fehlentscheidungen und gezielter Vernachlässigung. Panzer, die nicht fahren, Flugzeuge, die nicht aufsteigen, Hubschrauber, die nicht fliegen, U-Boote, die aus den Docks nicht mehr herauskommen. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht vor acht Jahren ist auch die Personaldecke so geschrumpft, daß sie jederzeit zu reißen droht. Sämtliche Milchmädchenrechnungen, mit Betriebs-Kitas und Flachbildfernsehern mehr Nachwuchs in die Kasernen zu locken, sind geplatzt. Also läßt Mangelverwaltungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Bendlerblock ein weiteres Patentrezept aushecken: Ausländer anlocken, um die immer klaffenderen Lücken zu schließen.

Seit Jahren bereits geistert die Idee, die Bundeswehr für EU-Ausländer und andere „neue Zielgruppen“ zu öffnen, durch die Konzeptpapiere im Verteidigungsministerium. Die jüngsten Planspiele sind sogar noch unbestimmter. Als Lockprämie zur Verpflichtungserklärung soll es den deutschen Paß obendrauf geben – wenn das nicht nur eine verfassungsrechtliche Formalie ist, zielt es offensichtlich auf die gezielte Rekrutierung von Nicht-EU-Ausländern. Wissen von der Leyens Schreibtischtäter nicht, welche Büchse der Pandora sie da öffnen wollen, oder ist es ihnen bloß egal? Eine Berufsarmee, die Bürgern anderer Staaten offensteht, kappt eine der letzten Verbindungen zum „Staatsbürger in Uniform“. Sie wird zur Söldnertruppe, die mit materiellen Vorteilen wirbt. Das Gelöbnis, „Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, wird vollends zur leeren Floskel.

Die Rekrutierungsprobleme wird das nicht lösen. Glaubt man im Ernst, junge EU-Ausländer für den Dienst in der deutschen Armee begeistern zu können, wenn man sie nicht einmal in nennenswerter Zahl für offene Arbeitsplätze gewinnen kann? Oder denkt man schon an die Heerscharen junger beschäftigungsloser Merkel-Gäste aus dem Maghreb und dem Orient? Dann kann es gut sein, daß man demnächst die Vorhut künftiger Dschihad- und Bürgerkriegstruppen selbst militärisch ausbildet und bewaffnet.

Die Frage doppelter und gespaltener Loyalitäten stellt sich so oder so. Nicht mal die Fußball-Nationalmannschaft bekommt das in den Griff. Und Soldat sein ist eben kein Job wie jeder andere. Nicht umsonst setzt das Soldatengesetz wegen des „besonderen Treueverhältnisses“ die deutsche Staatsangehörigkeit voraus. Will man womöglich genau das aufweichen? Eine Truppe ohne nationale Bindungen, jederzeit und überall einsetzbar, auch im eigenen Land? Die beste Versicherung dagegen, und zugleich die naheliegendste Lösung für die Nachwuchsprobleme bei der Rekrutierung fähiger Berufssoldaten, ist die Wiederinkraftsetzung der Wehrpflicht.